Übersicht
Werkzeuge für die Digitale Bibliothek
Es gibt gute Gründe, die Retrodigitalisierung der Altbestände direkt vor Ort, also in den Bibliotheken selbst, vorzunehmen. Zu nennen sind hier: Einsparen der Transportkosten, kontrolliert pfleglicher Umgang mit gefährdeten Beständen oder schnelle Wiederverfügbarkeit am Standort. Ausschlaggebend gegenüber einer auswärtigen Lösung ist jedoch vor allem der Vorteil, bibliothekarisch erfahrenes Personal in den Digitalisierungs- und Erschließungsprozess einbinden zu können.
Gerade der inhaltlichen Erschließung der Digitalisate durch Meta- und Strukturdaten kommt eine entscheidende Bedeutung zu: Suchen im Volltext oder direkte Navigation in den (digitalen) Inhaltsverzeichnissen im Webbrowser wird erst durch Erschließung möglich. Auch die Wissenschaftsinfrastruktur der nächsten Generation (etwa: Semantic Web) ist auf Metadaten angewiesen und kann mit reinen Scan-Images nichts anfangen.
Die Digitalisierung und Erschließung der eigenen Bestände stellt Bibliotheken und Archive jedoch auch vor Probleme, vor allem organisatorischer Art. Schon ab einem mittleren Scanvolumen von mehreren Bänden pro Tag erscheint eine Aufteilung der Arbeitsschritte (etwa: Arbeitsvorbereitung, Digitalisierung, Qualitätskontrolle, Imageoptimierung, Meta- und Strukturdatenerfassung) auf verschiedene, spezialisierte Mitarbeiter sinnvoll. In Drittmittelprojekten kommt häufig erschwerend eine räumliche Komponente hinzu: unterschiedliche Arbeitsschritte werden arbeitsteilig an unterschiedlichen Standorten vorgenommen.
Um diese arbeitsteilige Produktion orts- und zeitunabhängig kontrollieren und organisieren zu können, wird am Göttinger Digitalisierungszentrum in Kooperation mit der Abteilung Forschung und Entwicklung der Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (SUB) eine Workflowsoftware für digitale Bibliotheken "Goobi" entwickelt. Die Sächsische Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) konnte als Kooperationspartner für die Entwicklung einer multifunktionalen Präsentationsoberfläche gewonnen werden und gemeinsam wird die Software-Suite im Rahmen eines DFG-Projektes (Diensteportal Digitalisierung: DP-D) Schritt für Schritt weiter ausgebaut.
Die Organisation eines komplexen Digitalisierungsworkflows stellt an die zu verwendende Software ausgesprochen hohe Anforderungen. Der von uns gewählte Ansatz umfasst:
- Plattform-Unabhängigkeit (Web-Applikation) ermöglicht Kooperationspartnern und Dienstleistern weltweit auf die Werkzeuge zugreifen zu können.
- Zentrale Metadaten-Verwaltung, d.h. Katalogisieren und Vervollständigen der Metadaten von verschiedenen Standorten aus (zum Beispiel Erstellung der russischen Metadaten in Moskau, Transliterationen in Hannover). Hierbei wird zwischen bibliographischen, strukturellen und technischen Metadaten unterschieden.
- Zentrale Verwaltung der Digitalisate (Images).
- Import- und Exportschnittstellen für Metadaten und für Fremd-Digitalisate.
- Controlling-Mechanismen: welcher Partner ist wie weit mit seinen Arbeiten, welche Zeitschrift ist in welchem Bearbeitungsstadium, etc.
- Fehlermeldungen, Abschließen eines Arbeitsschritts und Weiterleiten zur nächsten Arbeitsstufe (eventuell hier auch Wechsel/Übergabe von einem Partner zum anderen Partner).
- Präsentation und Visualisierung der digitalen Objekte, komplexe Drill-Down Mechanismen für die Suchmaschine.
- Verknüpfung der digitalen Objekte mit ihren Katalogisaten in Lokalsystem und Verbundkatalogen über Linkmechanismen. Dadurch können auch die klassischen Recherchewerkzeuge zum Einstieg in die digitale Bibliothek genutzt werden.
- Personalisierte und kollaborative Dienste für die Wissenschaft auf der Präsentationsoberfläche (Zitationsmöglichkeiten, Anlegen eigener virtueller Sammlungen, Tagging- und Kommentarfunktionen, Download-Optionen, etc.).
- Durchgehende Mandantenfähigkeit aller Komponenten (Produktion, Repository, Präsentation), um Anwendern den Dienst - komplett oder teilweise - auch als SaaS (Software as a Service) anbieten zu können.
- Flexible Zugriffsrechte auf Sammlungs- und Werkebene für nicht gemeinfreie Digitalisate. Open Access-Schnittstellen (OAI2, METS/MODS) für alle frei verfügbaren Objekte.